DON’T GROW UP – IT’S A TRAP

Vorletzten Donnerstag hatte ich ein leicht erschreckendes Erlebnis. Eigentlich nichts Wildes. Aber, ich habe tatsächlich realisiert, dass ich keine Anfang Zwanzig mehr bin. Und das machte mich auf einmal ziemlich traurig. Zumal ich auch davon ausging, dass diese Erkenntnis erst wirklich mit der Dreißig kommen würde.
Und das alles dank nur eines Outfits. Ich weiss – bitter. Getragen habe ich Folgendes: einen schwarz-weiß karierten Mantel, eine schwarze Culottte, meinen grauen Acne-Schal und dazu schwarze, spitz zulaufenden Wedges. Alles in Einem ein super klassisches Outfit. In einem kurzen Moment hätte ich sogar adrett gesagt.
Blöderweise hatte ich diese Outfit-Kombination mehr oder weniger auch in der Serie Good Wife gesehen, welche ich gerade durchsuchte. Ehrlicherweise verband ich diesen Look eigentlich nicht mit Einem, den ich jetzt unbedingt hätte nachstylen wollen. Nun ertappte ich mich aber selbst damit an diesem Donnerstag. Im nächsten Gedankengang überlegte ich mir, dass ich mich eigentlich wohl fühlen würde, sowas aber vor zehn Jahren nicht mal in Betracht gezogen hätte. Was mich zu meiner Erkenntnis führte, dass ich nun mal eben auch keine achtzehn mehr wäre. Doof.
Im Ernst, die Dreißig steht laut klopfend vor der Tür und ich selbst fühle mich wie Anfang Zwanzig. Sogar wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich keine fast dreißigjährige Frau. Mein Lebenskonzept, inklusive meines äußeren Erscheinungsbildes, scheinen einfach noch nicht in das eines Erwachsenen zu passen.

Erwachsenwerden

Bild – Pinterest

Während andere Bekannte mit ihren neu gegründeten Familien am Wochenende Ausflüge in den Harz unternehmen, planen wir unseren Trip nach London um das zweite Mal (!) das Harry Potter Musical zu sehen. Generell schlägt mein Herz noch ziemlich stark für Harry Potter. Und Lego. Während andere sich eben schöne Vasen in die Wohnung stellen, sind in unserer Wohnung Star Wars Lego-Modelle drapiert.

Seit diesem Jahr habe ich angefangen zu kochen. Ich versuche es zumindest. Das bedeutet, dass  bis zu meinem 28. Lebensjahr Nudeln mit Pesto so ungefähr das einzige Gericht waren, was ich hinbekommen habe. Andere Freunde sind mir da meilenweit voraus. Ich sende ganz entzückt ein Bild in die Mädelsgruppe, wenn mir meine Tomatensuppe gelingt. Manchmal denke ich mir, dass ich mit meinen 28 Jahren eigentlich viel weiter im Leben gekommen sein müsste.

MANCHMAL DENKE ICH MIR, DASS ICH MIT MEINEN 28 JAHREN VIEL WEITER IM LEBEN SEIN SOLLTE

Dass ich mehr Ahnung von Steuern und Bausparverträgen haben sollte. Und wie genau ich meine Zukunft absichern sollte. Dass es Zeit für eine solide Karriere wäre, um Geld für Kinder, Hochzeit und Eigenheim zurückzulegen. Mit 28 geht es scheinbar nicht mehr darum finanziell unabhängig zu sein, sondern um mehr als in den letzten Jahren zu leisten um eben seine Zukunft abzusichern. Und so blöd es auch klingen mag, die Eltern nicht jeden Tag an seiner Seite zu haben, die einem die wichtigen Entscheidungen abnehmen.

Aber eigentlich bin ich schon stolz darauf, es bis hier hin geschafft zu haben. Ich meine mich aus eigener Kraft finanziell abgesichert zu haben und mir den Lebensstil zu verwirklichen, von dem ich nicht gedacht hätte, ihn mir mit Ende Dreißig auch wirklich leisten zu können.

Momentan plane ich höchstens ein halbes Jahr voraus. Nur das Harry Potter Musical plane ich länger als ein Jahr im Voraus, Aber damit bin ich auch vollkommen fein.

Manchmal finde ich diese Gedankengänge des Erwachsenwerden bisschen erschreckend. Aber wahrscheinlich ist das eben normal und das Erwachsenwerden und Erwachsensein sieht eben genau so aus.

Posted by melaniediduch

1 comment

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